Freitag, der 18. August 1961:
Aktuelle Politik im Deutschen Fernsehfunk

Am Freitagmorgen, dem 18. August 1961, startete das Fernsehprogramm planmäßig um 10 Uhr mit einer Direktübertragung vom Buchenwaldtreffen der Pioniere mit dem Titel „Ernst Thälmann zum Gedenken“. Daran schloss sich die „Aktuelle Kamera“ (AK) vom Vorabend an.

Kampfaufruf der FDJ, "Aktuelle Kamera" vom 18.08.1961

Darüber hinaus gab es an diesem Tag drei aktuell-politische Sendungen: die „Aktuelle Kamera“ um 19.30 Uhr, die Spätausgabe der Nachrichtensendung um 23.19 Uhr und die knapp 80-minütige Fernsehansprache des Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht um 20 Uhr. Ursprünglich sollte um diese Zeit der Film „Die Flucht aus der Hölle“ laufen, der auf 21.18 Uhr verschoben wurde.

Die Hauptausgabe der „Aktuellen Kamera“ begann mit einem Bericht über den Kampfaufruf der FDJ "Das Vaterland ruft", der sich an junge Arbeiter mit der Aufforderung richtete, sich in den Dienst der Verteidigung der DDR zu stellen.

Erneut wurde das Engagement Willy Brandts gegen den Bau der Berliner Mauer angegriffen.  Internationale Pressestimmen wurden propagandistisch ausgeschlachtet, um die Politik von Willy Brandt als Kriegstreiberei zu diffamieren. Der Sprecher stimmte die Presseschau mit den Worten ein, in der internationalen Presse riete man zunehmend, „die Kriegsfanfaren der Westberliner Frontstadtschreihälse“ nicht zu beachten und statt dessen „Vernunft“ walten zu lassen.

In einem eigenen Beitrag berichtete die AK über DDR-Bürger, die ihre Kinder in der DDR zurückgelassen hatten. Übersiedler nach Westdeutschland wurden in der DDR als Republikflüchtige kriminalisiert. Dieser Beitrag unterstrich das negative Bild, welches die Parteilinie von den Flüchtlingen zeigen wollte.

Kriminalisiert wurden auch  Westdeutsche, die sich dem System der DDR widersetzten, was der Nachrichten-Beitrag „Provokateure und Agenten vor Gericht“ verdeutlicht.

Vorspann zur Fernsehansprache von Walter Ulbricht am 18.08.1961

Die Fernsehansprache von Walter Ulbricht

In der Ansprache des Staatsratsvorsitzenden der DDR Walter Ulbricht wurde – ganz im Sinne der bisherigen Informationspolitik der SED – dem Zuschauer suggeriert, dass die alltägliche Normalität in Berlin wieder eingekehrt sei:

„Meine lieben Bürger der Deutschen Demokratischen Republik, liebe Freunde in Westdeutschland und Westberlin. Ereignisreiche Tage liegen hinter uns. Hier und da gingen die Wogen etwas hoch. Sie glätteten sich allmählich. Die von Schöneberg und Bonn künstlich geschürte Aufregung ist abgeebbt. Natürlich müssen wir weiterhin wachsam sein. Aber das Leben geht seinen ruhigen Gang.“

Walter Ulbricht, Fernsehansprache vom 18.08.1961

In der weiteren Argumentation bediente sich Ulbricht der für den Kalten Krieg typischen verbalen Angriffe gegen das Feindbild „BRD“. Dem entsprach auch die Anschuldigung, Westdeutschland habe zusammen mit den USA die eigentliche Verantwortung für die Teilung Deutschlands zu tragen.

„Herr Adenauer und die westdeutschen Militaristen jammern über Stacheldraht und wollen vergessen machen, dass sie es doch waren, die zusammen mit den amerikanischen Imperialisten Deutschland spalteten, Berlin spalteten, die deutsche Währung spalteten, Westdeutschland aus dem Gefüge der deutschen Nation herausgelöst haben und es zu einem amerikanischen Satellitenstaat machten. Damals ist von ihnen der Stacheldraht durch Deutschland gezogen worden.“

Eine zentrale Strategie der Darstellung des Feindbildes Westdeutschland bestand in der Unterstellung der faschistischen Kontinuität in der Bundespolitik. Franz-Josef Strauß, Verteidigungsminister BRD, würde an Pläne von Hitler und Himmler anknüpfen, so Ulbricht. Zudem würden laut Ulbricht westdeutsche Politiker den Begriff der „Menschlichkeit“ ebenso missbrauchen, wie es Hitler und Goebbels getan hätten.

Die DDR stilisierte sich selbst hingegen zu einem antifaschistischen Friedensstaat. Der propagierte Antifaschismus der DDR war seit ihrer Gründung ein elementarer Bestandteil der politischen Ideologie.

                                                                                                                            Julia Weber