Donnerstag, der 17. August 1961:
Aktuelle Politik im Deutschen Fernsehfunk

Abriegelung des Brandenburger Tores in Berlin 1961, Foto: Pressebild-Verlag Schirner/DHM, Berlin

Der Programmtag des 17. August 1961 startete wie gewohnt um 10 Uhr mit der „Aktuellen Kamera“ (AK) vom Vorabend. Um 10.15 Uhr wurde zusätzlich ein aktueller Sonderbericht der „Aktuellen Kamera“ ausgestrahlt. Die folgende Sendung hatte daher 15 Minuten Verspätung. Das „Tele-Studio West“ wurde um 12.05 Uhr ebenfalls kurzfristig eingeschoben.

An diesem Tag hatte sogar die Hauptausgabe der „Aktuellen Kamera“ eine zwölfminütige Verspätung, was in der Programmwoche eine einmalige Ausnahme darstellt. Die Nachrichtensendung ist die einzige Überlieferung vom 17. August 1961 aus dem Bereich „Aktuelle Politik“.

Auch an diesem Tag galt es, dem Zuschauer in Bild und Kommentar zu vermitteln, die „Grenzsicherung“ sei eine erfolgreiche friedenssichernde Maßnahme.

Kinder mit Grenzsoldaten, "Aktuelle Kamera" vom 17.08.1961

Während im Kommentar des Beitrags „Situation in Berlin an der Staatsgrenze“ mit fröhlich beschwingender Musik im Hintergrund die friedliche Situation an den Grenzübergängen hervorgehoben wurde, zeigten die Bilder jedoch bewaffnete Grenzposten und die Barrieren, die ein Auto an einem innerstädtischen Grenzübergang zu passieren hatte:

"An den Grenzübergängen herrscht auch heute eine ruhige Atmosphäre. Die friedliebenden Westberliner Bürger finden an den amtlichen Grenzübergängen zur Hauptstadt der DDR Ein- und Ausgang. Hier an der Brunnenstraße und auch hier an der Heinrich-Heine Straße".

In den Nachrichten dieser Programmwoche wurden mehrfach die militärischen Kräfte der DDR an den Grenzanlagen gezeigt. In einem weiteren Ausschnitt des oben genannten Beitrags zeigen die dokumentarischen Aufnahmen einerseits die friedlich beisammen sitzenden Soldaten und anderseits das bedrohliche Bild zahlreicher Militär-Panzer in den Straßen von Berlin. Der Kommentar verdeutlicht, dass es sich hier um ein Machtgebaren handelte, das jedoch nicht gegen die eigene Bevölkerung gerichtet sein sollte:

„Das sind die Männer, die den Westberliner Abenteurern zum Nachdenken über das reale Kräfteverhältnis in der Welt und auch hier in Berlin verhalfen. Ihnen gilt unser Dank"

Die Bilder illustrieren die paradoxe Ideologie der DDR, dass der Frieden in erster Linie militärisch zu erhalten sei.

In Bezug auf die Reaktionen in Westdeutschland fokussierte die AK an diesem Tag vor allem die Aktivitäten des West-Politikers Willy Brandt, der zur Zielscheibe der medialen Attacken wurde. Ein eigener Nachrichtenbeitrag wurde dem Trickfilm „Gockel Brandt“ gewidmet, in dem der Politiker zum Gegenstand einer satirischen Darstellung wurde.

Am 17. August 1961 kam keine Spätausgabe der „Aktuellen Kamera“. Stattdessen wurde im Abendprogramm um 21.44 Uhr eine sechsminütige „Sondersendung aktuelle Politik“ außerplanmäßig gesendet, die jedoch nicht überliefert ist.

                                                                                                                            Julia Weber