Mittwoch, der 16. August 1961:
Aktuelle Politik im Deutschen Fernsehfunk

Vom 16. August 1961 ist nur die Sendung „Verleihung des Vaterländischen Verdienstordens in Gold an Landesbischof Moritz Mitzenheim“, die um 20.15 Uhr außerplanmäßig ausgestrahlt wurde, im Deutschen Rundfunkarchiv überliefert.

Bischof Moritz Mitzenheim und Walter Ulbricht, "Verleihung des Vaterländischen Verdienstordens in Gold" am 16.08.1961

Der Landesbischof Moritz Mitzenheim galt als SED-treuer Kirchenvertreter. Er erhielt in dem überlieferten Beitrag am 16. August 1961 anlässlich seines 70. Geburtstages den Vaterländischen Verdienstorden in Gold von Walter Ulbricht verliehen.

Das Verhältnis von Staat und Kirche war in der DDR von Spannungen geprägt. Zahlreiche Kirchenvertreter kritisierten das SED-Regime. Mitzenheim hingegen vertrat die Position, dass staatliche und politische Fragen der Politik zu überlassen seien und die Kirche sich aus diesen Bereichen heraus zu halten habe.
Diese Meinung formulierte er auch in seiner Dankesrede im Anschluss an die Ordensverleihung. Mitzenheim thematisierte in seiner Rede aber auch die „höchste Anspannung der weltpolitischen Lage“ und hoffte auf einen „Friedensschluss“ zwischen den beiden deutschen Staaten, damit „das Volk nicht länger durch Gräben und Grenze“ getrennt leben müsse.

In der gesamten Sendewoche wurde die Grenzschließung als friedenssichernde Maßnahme dargestellt, die allen DDR-Bürgern das Leben erleichtern würde. Mitzenheims Aussage kann daher als einzige Überlieferung einer – wenn auch moderaten – Kritik am Mauerbau in der genannten Programmwoche des DFF gewertet werden.
Als Kirchenvertreter ließ er es sich nicht nehmen, auch den Wunsch zu äußern, der Staat möge Toleranz zeigen und Jugendliche ihren Glauben leben lassen, ohne ihnen daraus einen Nachteil entstehen zu lassen.

Weitere Sendungen zur aktuellen Politik an diesem Tag waren „Treffpunkt Berlin
mit Karl-Eduard von Schnitzler“ um 19.00 Uhr sowie die Haupt- und Spätausgabe der „Aktuellen Kamera“ um 19.44 Uhr und 22.45 Uhr, die jedoch nicht überliefert sind.

 

                                                                                                                       Julia Weber