Der Drei-Tage-Song

 

Samstag, den 12. August.

Was ist das Frontstadtleben süß,

die Menschenfallen klappen

und dem Ganovenparadies

muss man beim Wechselstubenboss

den hart erarbeiteten Kies

schon eins zu fünf berappen.

Da lacht das Herz und Springers Blätter

bejubeln jede Frontstadttat

und jede neue Drachensaat

als gute Tat der Seelenretter.

 

Sonntag, den 13. August.

Ist  Feierabend, ist Feierabend,

das Spielchen ist vorbei.

Erst nach dem großen harten Schock

versammelt sich die Kumpanei.

Wie wild gebärdet sich die Meute.

Wo ist die Freiheit, wo das Recht?

Mit Freiheit meinen sie die Beute

und recht ist, wenn der Kleine blecht.

Nun gut, als Mensch hat man Verständnis

wenn ein Ganove sich erhitzt

Und man erfährt wie gut noch immer

ein richt’ger linker Schwinger sitzt.

 

Montag, den 14. August und folgende.

Die Frontstadtspeditionen melden,

die Telefone laufen heiß.

Zehn Dutzend starke Frontstadthelden

fragen erst gar nicht nach dem Preis.

Auf, auf ins liebe Land des Westens,

es ist getan, die Lunte brennt.

Und schließlich weiß man ja noch bestens,

wohin und wie man letztlich rennt.

 

Vor reichlich sechszehn kurzen Jahren

brachen sie sich schon mal ein Bein. 

Drum, die Speditionen mögen noch so fahren.

Der Frieden holt sie diesmal ein,

der Frieden holt sie sicher ein.

 

 

Komponist: Max Spielhaus. Text von Willi Golm. Es singt Karl-Heinz Weichert. In diesem schon am 15. August produzierten Lied werden die vergangenen drei Tage vom 12. bis 14. August aus der Perspektive der westlichen „Ausbeuter“ besungen. Anhand der beschriebenen Abfolge - vom unbeschwerten „Frontstadtleben“ über die Überraschung über das erzwungene Ende dieses Dasein hin zur Flucht gen Westen - wird der „Erfolg“ der Grenzsschließung demonstriert: Die „Ganoven“ gehen, aber der vom Osten ausgehende Frieden wird sie einholen.