Versorgungsgrad und Programme des Hörfunks und Fernsehens der DDR 1961

Während zu Beginn der 1960er Jahren nahezu jeder Haushalt in der DDR mit einem Rundfunkempfänger ausgestattet und der Hörfunk mit Blick auf seine Programme und Reichweiten ein Massenmedium war, stand das Fernsehen in der DDR noch im Schatten des Hörfunks und begann erst allmählich aufzuholen.

Fernsehapparat Modell Brockenblick von 1959, Foto: Deutsches Rundfunk-Museum/Pastor

Bei einer Wohnbevölkerung von etwas über 17 Millionen verfügten im Jahr 1961 von je 100 DDR-Haushalten 90,4 über einen Hörfunkempfänger. Die Zahl der zugelassenen Empfangsapparate wird für Ende 1961 mit etwas über vier Millionen angegeben. Schon zu Beginn der 1950er Jahr weist die amtliche Statistik einen Ausstattungsgrad von 77 pro 100 Haushalten aus. Der Hörfunk in der DDR war, sowohl von dem Verbreitungsgrad seiner Programme wie auch vom Ausstattungsgrad der Geräte gleichsam von Anfang an ein Massenmedium, mit dem die Mehrzahl der DDR-Bevölkerung erreicht werden konnte.

Der „Deutsche Fernsehfunk“ startete 1952 sein Versuchsprogramm mit ca. 75 Fernsehgeräten. Eine erste größere Anzahl von Apparaten gelangte 1955 auf den Markt. Der amtlichen Statistik zufolge verfügten in diesem Jahr von 100 DDR-Haushalten gerade 1,2 über einen Fernsehempfänger. Für das Jahr 1961 wird der Ausstattungsgrad mit 23,5 ausgewiesen. Die Zahl der angemeldeten Geräte betrug 1.459.300. Erst gegen Ende der 1980er Jahre verfügte nahezu jeder DDR-Haushalt über ein Fernsehgerät.

Programme und Reichweiten

Blick von der Spree auf das Funkhaus Nalepastraße Berlin-Oberschöneweide, 1966, Foto: DRA/Dummer, Manfred

Seit August 1952 unterstand der Hörfunk einem Staatlichen Rundfunkkomitee mit Sitz im Funkhaus in Berlin-Oberschöneweide. Ausgestrahlt wurden Anfang 1960 sechs Programme, darunter die drei Hauptprogramme „Berliner Rundfunk“, „Deutschlandsender“ und „Radio DDR I“, ferner der Auslandsdienst „Radio Berlin International“ sowie zwei Ergänzungsprogramme: „Berliner Welle“ und „Radio DDR II“. Zudem wurde in jeder Bezirksstadt jeweils ein Regionalstudio unterhalten. Zur Verfügung standen ein Lang-, 19 Mittel-, drei Kurz- und 20 UKW-Sender. Während das Programm des Berliner Rundfunks und von Radio DDR I eher auf die DDR-Bevölkerung ausgerichtet war, wandte sich der Deutschlandsender auf Lang-, Mittel- und Kurzwelle auch an die bundesrepublikanische Bevölkerung.

Das DDR-Fernsehen, das im Januar 1956 mit seinem I. Programm den regelmäßigen Sendebetrieb unter der Bezeichnung „Deutscher Fernsehfunk“ (DFF) aufgenommen hatte, unterstand bis zum September 1968 ebenfalls dem Staatlichen Rundfunkkomitee. Ab dem Jahr 1953 waren große Anstrengungen zur Erweiterung des Netzes der Fernsehsender unternommen worden. Zuerst mit einem Sender, der nach Anlage und Leistung so aufgebaut war, dass mit seiner Reichweite von rund 40 Kilometer im Radius neben Berlin auch zum Land Brandenburg gehörige Randgebiete mit Programm versorgt werden konnten. Kurze Zeit später stand mit dem Sender Leipzig ein zweiter Fernsehsender bereit und zu Beginn der 1960er Jahre waren insgesamt zehn Haupt- und sieben Kleinsender in Betrieb, die nahezu das gesamte Staatsgebiet versorgten.

Von den Sendern Schwerin, dem Brocken und dem Inselsberg in Thüringen strahlte das Programm des Deutschen Fernsehfunks auch auf bundesrepublikanisches Gebiet. Auf etwa einem Drittel der Fläche der Bundesrepublik konnte der Deutsche Fernsehfunk empfangen werden. Aber auch die bundesdeutschen Fernsehsender waren entlang der innerdeutschen Grenze bestens postiert. Etwa zwei Drittel der Fläche des DDR-Gebietes war von den westlichen Fernsehsendern aus zu erreichen.

Nach dem Mauerbau wurde in der DDR mit der so genannten „Aktion Ochsenkopf“ (so die Bezeichnung eines westdeutschen Senders) versucht, den Westempfang zu verhindern. Mitglieder der FDJ bauten nach Westen ausgerichtete Antennen ab. Allerdings mit wenig Erfolg – erfreuten sich die Westprogramme bei den Fernsehkonsumenten doch großer Beliebtheit.

Bis Mitte der 1960er Jahre stand das Medium Fernsehen im Schatten des Hörfunks. Wegen der nur geringen Verbreitung der Fernsehgeräte in privaten Haushalten und den zum Teil noch nicht flächendeckenden Empfangsmöglichkeiten, war das Medium in dieser Frühphase aus Sicht der SED kein Massenmedium. Sein Einfluss war noch unmaßgeblich. Das bedeutete zugleich aber  eine geringere politische Indoktrination. Dem Medium widmete sich die Parteiführung erst, als das DDR-Fernsehen über eine nennenswerte Verbreitung verfügte. Mit der Einrichtung eines eigenen Staatlichen Komitees für Fernsehen beim Ministerrat der DDR wurde gegen Ende der 1960er Jahre die Stellung als Massen- und Propagandamedium bestätigt.

Literaturangaben

Lee, Woo-Seung: Das Fernsehen im geteilten Deutschland ( Veröffentlichungen des Deutschen Rundfunkarchivs, Bd. 29), Potsdam 2003.

Riedel, Heide: Hörfunk und Fernsehen in der DDR. Funktion, Struktur und Programm des Rundfunks in der DDR, Köln 1977.

Staatlichen Zentralverwaltung für Statistik (Hg.): Statistisches Jahrbuch 1989 der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin 1989.

                                                                                                              Dr. Jörg-Uwe Fischer