„Auf ein Wort, Freunde“
Kinder- und Jugendfunk in der Woche vom 13. bis 19. August 1961

In der Programmwoche vom 13. bis 19. August 1961 gab es wegen der aktuellen Berichterstattung zu den politischen Ereignissen auch im Kinder- und Jugendfunk einige Ausfälle. Feste Sendeplätze mussten Sonderprogrammen weichen. Zusätzliche Kindersendungen gab es nicht.

"Aktuelle Kamera" vom 14.08.1961, Pioniertreffen in Erfurt

1961 schickten sechs Sender des DDR-Rundfunks ihre Programme in den Äther. In den zwei großen Sendern, Berliner Rundfunk und Radio DDR, gab es jeweils eine Redaktion Kinderfunk, die für die Programmgestaltung für Kinder vom Vorschulalter an verantwortlich waren. Zusätzlich produzierte die Abteilung „Dramaturgie für Kinder- und Jugendhörspiel“ Hörspiele für Kinder und Jugendliche.
Überraschenderweise gab es zu dieser Zeit im Vergleich mit dem DDR-Fernsehen nur relativ wenige Kinder- und Jugendsendungen.

Im Programmschema des Berliner Rundfunks waren für Kinder und Jugendliche in der Woche von Montag bis Freitag pro Tag nur vier feste Sendeplätze vorgesehen:

•    „Auf ein Wort, Freunde“, Beitragsreihe des Jugendfunks im  
     Frühprogramm des Berliner Rundfunks, vor 7.00 Uhr
•    „Das Morgenlied des Kinderfunks“, immer um 7.00 Uhr
•    „Kinderfunk“, eine halbstündige Sendung von 14.30 bis 15.00 Uhr
•    „Der gute alte Mond“, Abendgrußsendung um 19.00 Uhr

Sonntags wurde von 10.00 Uhr bis 10.30 Uhr ein Hörspiel für Kinder ausgestrahlt, 1961 war dies ein Hörspiel aus der Sendereihe „Was ist denn heut‘ bei Findigs los?“. Montags und mittwochs ab 10.00 Uhr gab es eine halbstündige Sendung zu verschiedenen Themen, u.a. die Reihe „Singt mit uns, spielt mit uns“ sowie Sendebeiträge, die auf aktuelle Ereignisse Bezug nahmen.

Neben der Sendung für die Jugend „Auf ein Wort, Freunde“ wurde für diese Hörergruppe montags und mittwochs am späten Nachmittag eine Sendung vom Jugendstudio des radio-clubs-berlin ausgestrahlt.

Einen festen Sendeplatz für Kinder in der Berliner Welle hatte vermutlich nur die Abendgrußsendung „Unser kleiner Bär“, 18.55 bis 19.00 Uhr.

Die Programmwoche ab dem 13. August 1961


In der Programmwoche vom 13. bis 19. August gab es wegen der aktuellen Berichterstattung zum Mauerbau einige Ausfälle im Kinderprogramm des Berliner Rundfunks.
Wie im Programm geplant, gab es jeden Morgen das „Morgenlied des Kinderfunks“. Die ausgewählten Lieder entsprachen dem aktuellen Geschehen:
Titel waren am 13. August „Hell soll unser Lied erklingen“, am 14. August „Auf zum Sozialismus“ oder am 16. August „Ich darf die Fahne tragen“. Das Lied „Pioniere voran“ vom 15. August nahm sicher Bezug auf das IV. Pioniertreffen in Erfurt. Am 18. August wurde das Lied „Ernst Thälmann ist nicht tot“ gesendet, um dessen Ermordung am 18. August 1944 im Konzentrationslager Buchenwald zu gedenken.

Unverzichtbar im Programm war offensichtlich auch die Abendgrußsendung „Der gute alte Mond“, da diese jeden Abend pünktlich ausgestrahlt worden ist. In diesen kleinen Beiträgen wurden Geschichten erzählt, die u.a. auch das gerade in Erfurt stattfindende Pioniertreffen zum Thema hatten.
Die Kinderfunksendung von 14.30 Uhr bis 15.00 Uhr lief bis auf eine Veränderung planmäßig im Programm des Berliner Rundfunks. Lediglich am 14. August musste sie der Verlesung einer Mitteilung des Ministeriums des Innern mit anschließender Einspielung von Tanz- und Marschmusik weichen.
Ansonsten gab es hier jeden Tag (außer am 19. August – sonnabends Nachmittag war generell keine Kinderfunksendung geplant) eine Sendung mit dem Titel „Erfurt ruft dich, Pionier“, die über das Geschehen auf dem IV. Pioniertreffen in Erfurt berichtete.

"Aktuelle Kamera" vom 18.08.1961, Kampfaufruf der FDJ

Einschnitte erfolgten bei der Jugendfunkreihe „Auf ein Wort, Freunde“. Vom 14. bis 16. August wurde sie zur angekündigten Sendezeit ausgestrahlt und hatte die Maßnahmen der Regierung der DDR zur Sicherung der Staatsgrenze zum Inhalt. Am 16. August wandte sich z.B. Siegfried Lorenz, Erster Sekretär der FDJ-Bezirksleitung Berlin, an die Berliner Jugend.
Am 17., 18. und 19. August 1961 musste diese Sendung entfallen, die Gründe dafür sind leider den Sendelaufplänen dieser Tage nicht zu entnehmen. Lediglich am Freitag, dem 18. August, kann man aus den Unterlagen ersehen, dass ein „Kampfauftrag an alle Mitglieder der FDJ“ über den Berliner Rundfunk übermittelt worden ist.

Hörfunksprecher der Reihe „Was ist denn heut‘ bei Findigs los“, 1965, Foto: DRA/Boettcher

Das für Sonntag, den 13. August, um 10.00 Uhr geplante Kinderhörspiel „Was ist denn heut‘ bei Findigs los?“ sowie die Kinderfunksendungen am Montag und Mittwoch um 10.00 Uhr mussten vollkommen den aktuellen Programmänderungen und Sonderprogrammen weichen. Am 13. August wurden alle zwei Stunden, so auch um 10.00 Uhr, die Erklärungen der Warschauer Vertragsstaaten und die Beschlüsse des Ministerrats zur Sicherung der Staatsgrenze der DDR verlesen.

Die beiden Sendungen des Jugendstudios des radio-clubs-berlin wurden auf ihren Sendeplätzen Montag und Mittwoch nachmittags planmäßig ausgestrahlt. Auch sie hatten die Maßnahmen der DDR-Regierung zur Sicherung der Staatsgrenze zum Thema. Im Sendelaufplan vom 14. August heißt es „Jugendstudio mit Atze und Bürschte – Stimmen zu den neuen Maßnahmen unserer Regierung“. Für Mittwoch, 16. August, standen verschiedene Beiträge an: 1. Sportbeitrag, 2. Der Schlag hat gesessen, 3. Reportage vom Brandenburger Tor, 4. Unser Klassenstandpunkt, 5. An die ehemaligen Grenzkinobesucher, 6. Kinoausschnitt: „Ein Kerl wie ein Baum“, 7. Reportage aus Ludwigsfelde.

Leider sind von allen hier aufgeführten Sendungen keine im Hörfunkbestand des Deutschen Rundfunkarchivs überliefert. Die Angaben ließen sich nur der Programmzeitschrift und den Sendelaufplänen des Berliner Rundfunks entnehmen.

Einzig die Kinderlieder aus der Reihe „Das Morgenlied des Kinderfunks“ sind im Musikarchiv vorhanden. Folgender Ausschnitt ist aus "Die Taube, die ihre Schwingen rührt", gesungen vom großen Kinderchor des Berliner Rundfunks.

                                                                                                            Angela Mehner