„Erfurt grüßt die Pioniere“
Kinder- und Jugendsendungen im Deutschen Fernsehfunk vom 13. bis 19. August 1961

Als fester Bestandteil des Programms des Deutschen Fernsehfunks war das Kinder- und Jugendfernsehen mit einer hohen Zahl von Sendungen im Gesamtprogramm verankert. Unter Berücksichtigung der verschiedenen Altersklassen und Freizeitinteressen wurde – nach eigenem Verständnis – eine breite Palette von Sendungen angeboten, die dem Wunsch der heranwachsenden Generation nach Unterhaltung sowie dem umfassenden Erziehungs- und Bildungsauftrag der sozialistischen Gesellschaft entsprachen. Die Programmänderungen in der Woche vom 13. bis 19. August waren minimal. Die Sendungen liefen im gewohnten Programmschema ab.

Logo des DDR-Kinderfernsehens, Foto/Logo: DRA/N.N.

In der 33. Programmwoche 1961 war insbesondere das Kinderfernsehen von Konstanz geprägt. Es gab, von wenigen Ausnahmen abgesehen, kaum Programmänderungen aus aktuellem Anlass. Insgesamt stand das Kinderfernsehen in dieser Woche ganz im Zeichen des IV. Pioniertreffens in Erfurt. Mehrere Beiträge widmeten sich diesem Ereignis: am 13. August die Sendung „Ein Dorf steht Kopf. Halbzeit auf dem Friedensmarsch zum IV. Pioniertreffen“ sowie der „Abendgruß“ mit den Figuren „Flax“ und „Krümel“ und der Geschichte „Flax will nach Erfurt marschieren“. Am 15. August folgte eine Direktübertragung der Eröffnungsveranstaltung zum IV. Pioniertreffen; am 16. August die Sendung „Mit Klebstoff, Holz und Sägeblatt“, ein bunter Bastelnachmittag mit den Pionieren des IV. Pioniertreffens. Am 17. August, ausgestrahlt über Intervision, unter dem Motto „Lasst uns froh und heiter singen!“, ein Festprogramm zum „Tag des Liedes und des Tanzes“ während des IV. Pioniertreffens; am 18. August eine Direktübertragung vom Buchenwaldtreffen der Pioniere unter dem Thema „Ernst Thälmann zum Gedenken“.

Hinzu gezählt werden kann hier auch „Die Rote Trommel“, ein Film der DEFA mit Dokumentaraufnahmen, Fotos und Szenen über Leben und Kampf der Pioniere in den 1920er Jahren. Lediglich am 19. August kam es zu Programmänderungen: gestrichen wurde zu Gunsten der Abschlussfeierlichkeiten der Pionierspartakiade die Sendung „Meister Nadelöhr erzählt Märchen“ und der Direktübertragung vom Besuch des sowjetischen „Kosmoshelden“ Juri Gagarin , in Budapest fiel die Siegerehrung mit Ausschnitten von der Abschlussveranstaltung der IV. Zentralen Pionierspartakiade zum Opfer.

Nicht zur Disposition stand hingegen der Sendetermin für den „Abendgruß“ mit dem Sandmännchen, der verlässlich allabendlich von 18.55 Uhr bis 19.00 Uhr ausgestrahlt wurde. Mit den „Abendgrüßen“ für Kinder im Alter von drei bis acht Jahren verfolgte die Kinderredaktion des DDR-Fernsehens mehrere Absichten: zum einen sollte den Kindern vor dem Einschlafen ein Gruß übermittelt werden, zum andern aber ließen sich in den Gute-Nacht-Geschichten viele kleine, aber wichtige Fragen zur Bildung des Charakters der Kinder (Hygiene, Ordnung, Ehrlichkeit, Disziplin) transportieren.

"Unser Sandmännchen" vom 19.08.1961, Abendgruß mit Taddeus Punkt

Der „Abendgruß“ sollte den Eltern dabei helfen, dass ihre Kinder rechtzeitig schlafen gehen und verhindern, dass sie das für die Erwachsenen bestimmte Programm sahen. Von den anderen Stars des Kinderfernsehens außerhalb des „Abendgrußes“ war in dieser Woche lediglich noch „Professor Flimmrich“ auf dem Bildschirm präsent. Am 14. August folgte die Ausstrahlung „Wir treffen uns bei Professor Flimmrich – Es läuft der Film „Der neue Fimmel“. Das Ziel dieser Flimmrich-Reihe war, die Kinder mit alten und neuen Kinderfilmen aus allen sozialistischen Ländern, mit der Kunst und der Technik des Films bekannt zu machen.

Überlieferungslage

Zu den oben aufgeführten Sendebeiträgen sind im Fernsehbestand des Deutschen Rundfunkarchivs lediglich eine Sendung überliefert: der „Abendgruß“ mit Taddeus Punkt vom 19. August 1961.

Über die Gründe für die Kassation der anderen Beiträge ließen sich keine Hinweise finden. Nur zum Teil können diese  Sendungen durch das überlieferte Programmschriftgut rekonstruiert werden. So sind in den Unterlagen des Kinder- und Jugendfernsehen die Manuskripte der „Abendgrüße“ vom 13., 14., 15. und 18. August überliefert. Hinzu kommen die Texte zur Eröffnungsveranstaltung zum IV. Pioniertreffen „Erfurt grüßt die Pioniere“ vom 15. August sowie zur Intervisionssendung „Lasst und froh und heiter singen!“ vom 17. August.

Für alle übrigen Sendebeiträge in der 33. Programmwoche lassen sich die Inhalte zum Teil über Presserezensionen sowie über die Programmzeitschrift „Funk und Fernsehen der DDR“  erschließen.

Altersgruppen und Sendezeiten

Bei der Gestaltung des Programms, seiner besonderen Thematik und den sich ständig wiederholenden Personen und Figuren ließ sich die Kinderredaktion von dem Sprichwort leiten: „Die Wiederholung ist die Mutter des Lernens“. Die Redakteure gingen davon aus, dass die typischen Figuren/Personen bei den Kindern zum Liebling, zum Helden werden, auf die sie hören und denen sie sich anvertrauen, zumal die so gestalteten Beiträge darauf ausgerichtet waren, die Aufnahmefähigkeit der entsprechenden Altersgruppe zu berücksichtigen.

Die individuellen altersbedingten Eigenschaften der Kinder spielten bei der Auswahl der Themen, wie auch der Form und der methodischen Bearbeitung eine große Rolle, galt es doch der Aufmerksamkeit und dem Verstehen Rechnung zu tragen. Daher wurde der altersmäßigen Abgrenzung jeder Sendung große Beachtung beigemessen. Eingeteilt wurden die jungen Zuschauer daher in folgende Altersklassen: ab drei, sechs, acht und zehn Jahre. Die Angabe des Alters, für das eine bestimmte Sendung geeignet war, wurde in der Programmzeitschrift mit abgedruckt und auch zu Beginn des Programms bekannt gegeben. Ebenso waren die Sendezeiten mit Bedacht gewählt. So wurde genau bestimmt, wo das Kind eine Sendung sehen sollte, ob zu Hause, im Kindergarten oder in der Pionierorganisation. Aus diesem Grund begann das Kinderprogramm wochentags um 16.00 Uhr, an den Sonntagen bereits um 10.00 Uhr.

Sozialistische Erziehungsarbeit und schöpferische Phantasie

Das Kinderfernsehen sollte die Phantasie der Kinder anregen und auch ihr Bedürfnis nach spannenden Erlebnissen befriedigen. Es stand aber ebenso im Dienste der allgemeinen sozialistischen Erziehungsarbeit im Elternhaus, der Pionierorganisation und der Schule. Unterhaltung wurde mit Belehrung verknüpft. Wie im Kindergarten wurden auch im Fernsehen den Kindern möglichst viele reale Themen und Erfahrungsbereiche angeboten. Vielfältiger als im Kinderprogramm war das Angebot für Schulkinder und Jugendliche. Das Spektrum reichte von kurzweiligen Magazinen über Ratgeber-, Hobby-, Quizsendungen und Spielwettbewerben bis hin zu einer Vielzahl von Spielfilmen.

Das Bedürfnis der Kinder und Jugendlichen nach Information, Bildung und Unterhaltung sah man nach fernsehinternen Maßstäben durch das Programm des Deutschen Fernsehfunks befriedigt. Seinem Bildungs- und Erziehungsauftrag folgend arbeitete das DDR-Fernsehen daher eng mit dem Ministerium für Volksbildung, der FDJ und der Pionierorganisation „Ernst Thälmann“ zusammen und hielt über Zuschauerforen, -post und -befragung ständigen Kontakt zu Kindern und Jugendlichen. Im eigenen Land galt das Bestreben, den Kindern und Jugendliche eine heile Welt des Sozialismus zu zeigen. Und dennoch gab es, von Pädagogen als Handreichung für Eltern zusammengestellt, folgende acht Regeln zur Fernseherziehung:

1. Regel: Achte auf die Altersempfehlungen zu den Fernsehsendungen!
2. Regel: Plane den Fernsehempfang mit deinem Kinde!
3. Regel: Sorge für einen sinnvollen Tagesablauf deines Kindes!
4. Regel: Sieh gemeinsam mit deinem Kinde Fernsehsendungen!
5. Regel: Bereite das Kind auf die Sendungen vor!
6. Regel: Sprich mit deinem Kinde über die Fernsehsendung!
7. Regel: Erlaube deinen Kindern das Fernsehen erst dann, wenn sie ihre Pflichten erfüllt haben!
8. Regel: Nimm mit deinen eigenen Fernsehwünschen Rücksicht auf deine Kinder!

Literaturangaben

A.I.: Die kürzeste, aber zugleich gelungenste Sendung. Pädagogik am Bildschirm, in: Thüringer Tagblatt vom 5.9.1961.

Beckert, Fritz: Kinder am Bildschirm, ( Schriftenreihe Elternhaus und Schule), Berlin 1962.

Böhme, Siegfried: Für ein sozialistisches Programm in den Kindersendungen des Fernsehfunks der DDR, in: Rundfunk und Fernsehen (OIRT), H. 2, 1962, S. 8ff.

Fischer, Jörg-Uwe: „Hauptsache die Leichen stimmen“. Kino- und TV-Konsum bei Kindern und Jugendlichen in den 1950er Jahren, in: info 7, H. 2, 2006, S. 124ff.

Foerster, Oskar; Holz, Hans-Joachim: Fernsehen für Kinder und Jugendliche, München 1963.

Rudolf, H.: Fernsehen für Kinder – ja oder nein?, in: Freiheit vom 5.8.1961.

Stern, Katja: Still! Das Sandmännchen kommt!, in: Neues Deutschland vom 30.1.1961.

Tele-Kritik der Woche, in: Neue Berliner Illustrierte, H. 44, Berlin 1961.

                                                                                                         Dr. Jörg-Uwe Fischer