DDR-Fernsehen: Das Programmangebot des Deutschen Fernsehfunks 1961

Wie sich der Mauerbau im DDR-Fernsehprogramm vom 13. bis 19. August 1961 niederschlug, ist Thema der Texte im Bereich „Fernseh-Senderubriken“. Das Programm wird anhand der Senderubriken Aktuelle Politik, Unterhaltung, Film und Fernsehspiele, Kinder- und Jugendsendungen sowie Kultur kommentiert. Im Folgenden sind allgemeine Informationen zum Programm des DDR-Fernsehens 1961 zusammengefasst.

Logo des Deutschen Fernsehfunks, Foto: DRA

Laut statistischem Jahrbuch der DDR sendete der Deutsche Fernsehfunk (DFF) 1961 insgesamt 3259 Stunden Programm. 659 Stunden entfielen davon auf die Aktuelle Politik, 385 auf Unterhaltung und Musik, 306 Stunden auf Kinder- und 61 auf Jugendprogramme. 442 Stunden Sport wurden ausgestrahlt und 494 Stunden Spiel- und Dokumentarfilme. Die „Dramatische Kunst“ war mit 433 Stunden vertreten. Unter dieser Bezeichnung versteht man das Programm der gleichnamigen Hauptabteilung, die für das Fernsehspiel, die Kulturpolitik und Theatersendungen zuständig war.

Trotz dieser fernsehspezifischen Zuordnung ist bei der Einteilung der Rubriken für das Webangebot „Der Mauerbau 1961“ auf die geläufigen Bezeichnungen Kultur und Film zurückgegriffen worden.
1961 kam das DDR-Fernsehen ausgehend von den 3259 Programmstunden im Jahr auf etwa 63 Sendestunden pro Woche und damit auf neun Stunden Programm am Tag.

Seit Beginn des regulären Sendebetriebs des Deutschen Fernsehfunks am 3. Januar 1956 (das öffentliche Versuchsprogramm startete am 21. Dezember 1952) hatte sich das Programmvolumen kontinuierlich ausgedehnt. 1956 kam der DFF auf 1138 Sendestunden, im Jahr 1961 mit 3259 Stunden fast auf die dreifache Menge. Anfang der sechziger Jahre professionalisierte sich das Fernsehen zusehends. Die Gründung der osteuropäischen Intervision, dem Gegenstück zur Eurovision im Westen, am 28. Januar 1960 wirkte sich zusätzlich auf das Programmangebot aus. Es etablierte sich im Fernsehen zudem eine feste Programmstruktur.

Programmstruktur des DDR-Fernsehens 1961

Wochentags begann das Fernsehprogramm um 10 Uhr mit der Wiederholung der Nachrichtensendung „Aktuelle Kamera“ vom Vortrag und sonntags mit einer Kindersendung. Die Wiederholungssendungen am Vormittag richteten sich an Spätarbeiter. Wochentags liefen im Anschluss, meist in der Mittagszeit bzw. am frühen Nachmittag, außerhalb des regulären Programms ausgestrahlte Testsendungen und Filmprogramme für die Industrie und den Handel.

Fernsehzentrum Berlin-Adlershof 1961, Foto: DRA/Zimmermann

Nachmittags begann das Fernsehprogramm in der Woche um 16 Uhr mit dem Kinderfernsehen. Um 18.55 Uhr richtete sich die Sendung „Unser Sandmännchen“ an die ganz jungen Zuschauer und begleitete die Kinder ins Bett. Seit der Programmreform vom 1. Oktober 1960 lief um 19.30 Uhr die dreißigminütige Hauptausgabe der Nachrichtensendung „Aktuelle Kamera“. Das Hauptabendprogramm begann in der DDR dadurch bereits um 20 Uhr – 15 Minuten früher als in der Bundesrepublik. Die Verantwortlichen erhofften sich dadurch, die DDR-Zuschauer vom gucken der „ARD-Tagesschau“ abzuhalten.


Montags brachte das DDR-Fernsehen nach den Nachrichten den in Ost und West beliebten „Montagsfilm“. Dieser Programmplatz war in der Hoffnung gewählt worden, dass die Zuschauer dieses alten Films auch die anschließende Propagandasendung „Der schwarze Kanal“ mit sahen. Die als Magazin angelegte Sendung von und mit Karl-Eduard von Schnitzler kam ab dem 21. März 1960 ins Programm und war als polemische Konterpropaganda angelegt. Sie sollte die Verlogenheit der westlichen Politik am Beispiel des westdeutschen Fernsehens aufzeigen. Ursprünglich war die Sendung zur ideologischen Beeinflussung der BRD-Bürger in das Programm aufgenommen worden, doch zielte sie bald auf die eigene Bevölkerung, um die politisch unerwünschten Einflüsse des Westfernsehens zurückzudrängen.

Dienstags vormittags wurde „Der schwarze Kanal“ für die Schichtarbeiter wiederholt. Das Abendprogramm des Tages bot den Zuschauern ein eigenproduziertes Fernsehspiel. Der Mittwochabend widmete sich oft dem Sport, aber es wurden auch Magazine, Reportagen und Unterhaltungssendungen ausgestrahlt oder die beliebte Sendung „Rumpelkammer“, in der Willi Schwabe Ausschnitte aus alten Tonfilmen kommentierte. Donnerstags wurden Fernsehspiele bzw. Krimis oder Literaturverfilmungen und auch Unterhaltungssendungen geboten. Freitagsabends lief ein neuer Spielfilm, der samstags am Vormittag wiederholt wurde.

„Die aktuelle Kamera“ vom 14.08.1961, Vorspannschrift

Da bis Ende 1965 in der DDR samstags noch gearbeitet wurde, war der Samstag der einzige lange Sendetag der Programmwoche. Abends wurden große Unterhaltungs- und Musiksendungen ausgestrahlt.
Sonntags wurden eigeninszenierte Theaterklassiker, Übertragungen von Konzerten und von den Bühnen des Landes, besondere Literaturadaptionen, Filme oder Schwänke geboten. Im Sommer 1961 schloss der Programmtag sonntags mit einer Sportsendung ab. Montags bis freitags beendete, seit ihrer Einführung im Januar 1960, meist die Spätausgabe der Aktuellen Kamera das Tagesprogramm.

Literatur

Bösenberg, Jost-Arend: Die Aktuelle Kamera. Nachrichten aus einem versunkenen Land. Begleitbuch zur TV-Dokumentation im rbb-Fernsehen, Berlin 2008.

Schubert, Markus; Stiehler, Hans-Jörg: Programmentwicklung im DDR-Fernsehen zwischen 1953 und 1963. Programmstrukturanalytische Betrachtungen zu den Anfängen des DDR-Fernsehens. In: Dittmar, Claudia; Susanne Vollberg (Hrsg.): Zwischen Experiment und Etablierung. Die Programmentwicklung des DDR-Fernsehens 1958 bis 1963 (MAZ 26), Leipzig 2007, S. 25-63.

Steinmetz, Rüdiger; Viehoff, Reinhold (Hrsg.): Deutsches Fernsehen Ost. Eine Programmgeschichte des DDR-Fernsehens, Berlin 2008.

Hoff, Peter: Auf dem Weg zum Massenmedium – Der Ausbau des DDR-Fernsehens von 1956 bis 1961. In: Hickethier, Knut: Geschichte des deutschen Fernsehens, Stuttgart/Weimar 1998, S. 181-197.

Staatliche Zentralverwaltung für Statistik (Hrsg.): Statistisches Jahrbuch der Deutschen Demokratischen Republik 1963, Staatsverlag der Deutschen Demokratischen Republik 1963.


                                                                                                                  Alexandra Luther